München,
09
März
2015
|
11:40
Europe/Berlin

Service, Mehrwert, Erlebnis: Erfolgsfaktoren der Hotellerie

Richard Singer, Geschäftsführer Travelzoo Europa, auf dem ITB Kongress

Über Unternehmen wie Airbnb, 9flats oder HouseTrip können Privatpersonen Reiseinteressierten ihr Zuhause als Urlaubsunterkunft anzubieten. Doch wie ist es um die Akzeptanz dieser Plattformern gestellt? Travelzoo fand in einer jüngst umgesetzten Umfrage heraus, dass 50 Prozent der befragten Nordamerikaner und Europäer an den privaten Ferienunterkünften interessiert sind. Tatsächlich in Anspruch genommen wurden sie jedoch erst von 17 Prozent.

Richard Singer, Geschäftsführer von Travelzoo Europa, stellte die Ergebnisse der exklusiven Studie am 6. März auf dem ITB Marketing and Distribution Day vor. Was können Hoteliers tun, um wettbewerbsfähig zu bleiben und welche Alternativen der Kundenansprache gibt es zum niedrigen Zimmerpreis? Insgesamt nahmen mehr als 5.000 Menschen aus den USA, Kanada, China, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Spanien an der Erhebung teil.

Bedenken trotzt großem Interesse

70 Prozent der Reisenden, die schon einmal eine Privatunterkunft gebucht haben, bewerten ihren Aufenthalt besser als eine Hotelübernachtung. 80 Prozent würden erneut zugreifen – nur 3 Prozent sprechen sich dagegen aus. Darüber hinaus unterstreicht eine ergänzend umgesetzte repräsentative Studie unter mehr als 2.000 Deutschen die Bedeutung der Reiseform. Denn im 47 Prozent der Umfrageteilnehmer widersprechen der Annahme, dass das Ganze ausschließlich für Jüngere spannend sei. Sogar 51 Prozent der 45 bis 54-Jährigen und 43 Prozent der über 55-Jährigen – alle Altersgruppen sind sich einig.

Trotz des allgemeinen Interesses gibt es viele Skeptiker. Die größten Bedenken haben die befragten Reiseinteressierten, da die Unterkünfte von Privatpersonen angeboten werden. So haben sie vor allem Befürchtungen bezüglich des Ablaufs, der Sauberkeit und der Zahlung. 37 Prozent der Umfrageteilnehmer äußern sich entsprechend. Weitere 29 Prozent fänden es unangenehm, in der Wohnung einer anderen Person zu übernachten. Darüber hinaus würden drei Viertel der Befragten ihr eigenes Zuhause niemals für diese Zwecke anbieten wollen. Könnte sich das lückenhafte Angebot also auf lange Sicht als hinderlich für den breiten Erfolg der Reiseform erweisen? Die Hinweise deuten in eine andere Richtung. Denn knapp ein Viertel der internationalen Umfrageteilnehmer zieht es in Erwägung, sich auf diesem Wege etwas dazuzuverdienen. Wenn sich diese Personen positiv entscheiden sollten, wäre das Angebot immens. Bisher sind nur 3 Prozent explizit dazu bereit.

Mehr als nur ein Dach über dem Kopf

Parallel zum wachsenden Erfolg der Plattformen für Privatunterkünfte sind manche Hoteliers dazu übergegangen, extreme Billig-Konzepte umzusetzen. Wenn es nach ihnen geht, können Übernachtungsgäste demnächst mit zwei Koffern anreisen. Mindestens einen würden sie für Handtücher und Putzmittel benötigen. Um den Preis zu drücken, verzichten Häuser wie zum Beispiel die international vertretene Kette „Tune Hotels“ auf zahlreiche Leistungen. Für Handtücher, einen Fernseher oder Toilettenartikel müssen die Gäste extra zahlen. Doch die Ergebnisse der Travelzoo-Studie lassen am Potenzial des Konzeptes für die Hotellerie zweifeln. Denn nur 9 Prozent der weltweit Befragten achten bei einer Hotelbuchung vor allem auf den Preis. Deutlich mehr Wert wird auf das qualitativ hochwertige Erlebnis gelegt.

Darüber hinaus möchten nur 2 Prozent der Befragten auf elementare Dinge wie zum Beispiel Handtücher verzichten, um den Reisepreis zu drücken. Auch traditionelle Hotelangebote wie eine Rezeption mit Check-in- und Check-out-Service werden wertgeschätzt. Nur 14 Prozent der Umfrageteilnehmer würden zu Gunsten eines niedrigen Zimmerpreises darauf verzichten wollen. Außerdem wollen wenige kostenloses W-LAN, ein Fernsehgerät und frei zur Verfügung stehende Parkplätze missen.

Dem Verzicht auf Komfort wird allerorts mit wenig Enthusiasmus begegnet. Dennoch gibt es kleine Unterschiede zwischen den Präferenzen der einzelnen Länder. Während die Wünsche der Franzosen, Kanadier und Amerikaner nicht vom Durchschnitt abweichen, schafft es bei den Briten der Wasserkocher in die Top 5 der am wenigsten verzichtbaren Gegenstände und Services. Bei den Deutschen ist es der Föhn. Und Spanier legen besonders großen Wert auf Seifen- und Duschgelproben sowie auf die tägliche Reinigung.

„Der Preis ist das eine – ein gutes Angebot das andere. Die Reisebranche steht vor großen Herausforderungen. Neben dem ohnehin schon großen Wettbewerb und Preiskampf in der Hotellerie, nehmen auch die Plattformen für Privatunterkünfte einen immer größeren Stellenwert ein. Zwar herrschen vielerorts noch Zurückhaltung und Zweifel. Aber eine Vielzahl derer, die bereits entsprechend untergekommen sind, bewertet ihr Erlebnis äußerst positiv. Das Interesse ist sogar bei Urlaubern beachtlich, die ihre Ferien bisher ausschließlich traditionell verbracht haben. Hoteliers sollten den Trend beobachten und aus der Entwicklung lernen“, sagt Richard Singer, Geschäftsführer von Travelzoo Europa.

„Auch wenn der Preis immer ein wichtiges Instrument der Hotellerie bleiben wird, unterstreicht die aktuelle Studie die große Bedeutung eines sehr guten Preis-Leitungs-Verhältnisses“, so Singer weiter. „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten sich Hoteliers auf ihr Leistungsversprechen konzentrieren – ihren Gästen ein qualitativ hochwertiges Erlebnis ermöglichen und verlässliche Services anbieten. Ihre Professionalität ist etwas, das Privatanbieter nur schwer konsistent einhalten können.“

Zur Methodik: Travelzoo befragte im Dezember 2014 und Januar 2015 4.272 seiner Mitglieder aus den USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Spanien und Frankreich. Für die Bewertung der Relevanz des Preises bei einem Hotelaufenthalt wurden außerdem die Angaben von 1.000 Chinesen berücksichtigt. Sie wurden von Wisdom Asia Marketing & Research Consulting befragt. Die zu Shared Economy genannte repräsentative Studie setzte Insa Consulere im Januar 2015 um. 2.005 Deutsche nahmen teil. Zum Teil waren Mehrfachantworten möglich, diese Angaben sind nicht kumulativ.

>> Übersichtlich aufbereitete Ergebnisse zum Download